Untitled, 2011

Wachs

Für die Biennale in Venedig 2011 liess Urs Fischer von der 6.5 Meter hohen manieristischen Skulptur «Der Raub der Sabinerinnen» des flämisch-italienischen Bildhauers Giambologna bei uns eine Wachskopie anfertigen. Die Figur auf der Piazza della Signoria in Florenz wurde mit dem neuesten optischen Scanner von Goms hoch präzise digitalisiert und aus den Daten ein 1:1 Model aus PU – Schaumstoff gefräst, welches Urs Fischer in seinem Studio in New York weiter nach Vorbild des Originals bearbeitete. In der Kunstgiesserei St.Gallen wurden daraufhin Negative hergestellt und anschliessend mit eingefärbtem Wachs gefüllt, welches durch und durch die Marmoräderung des Originals imitierte. Für das Innere der Wachsskulptur wurde ein Dochtsystem entwickelt, das ermöglichte, die Arbeit wie eine riesige Kerze anzuzünden. Ein mehrmonatiges Abbrennen während der Laufzeit der Biennale in der Arsenale Venedig zeigte somit eine sich stets verändernde, kontinuierlich kleiner werdende, abbröckelnde und schlussendlich nur noch aus Fragmenten und Resten bestehende Skulptur. Zu dieser Arbeit gehören zudem die leicht vergrößerte Skulptur «Rudy» – ein ebenfalls aus Wachs gefertigtes Abbild des Künstlerfreunds Rudolf Stingel – sowie ein Bürostuhl aus Fischers Studio. Beide wurden neben der Giambologna-Skulptur positioniert und ebenfalls als Kerze abgebrannt.