Geboren 1967 in Epsom (GB), studierte an der Glasgow School of Art, lebt und arbeitet in Kopenhagen.

Simon Starling beschäftigt sich in seinen konzeptuellen Arbeiten mit ökologischen und ökonomischen Systemen, deren Missstände er mit oft skurillen selbstgebastelten Objekten und Aktionen sichtbar macht und kritisch kommentiert. Insbesondere Wasserkreisläufe und -energien sind ein wiederkehrendes Untersuchungsobjekt des Künstlers.

Fountain, 2016

Turtle: 145 × 90 × 130 cm, gebundenes PMMA-Partikelmaterial
Vitrine: 330 × 170 × 130 cm, Aluminium, Sicherheitsglas

Für sein Kunst-am-Bau-Projekt für den Neubau des Naturmuseums St.Gallen bezog sich Simon Starling auf die Figuren des St.Galler Broderbrunnens, welcher Ende des 19. Jahrhunderts zur Einweihung der städtischen Trinkwasserversorgung errichtet worden war. Die allegorischen Figuren und Tiergestalten waren mit der damals neuen Technik der Galvanotechnik gefertigt worden. Wegen der starken Erosion musste der Brunnen ersetzt werden und wurde 2000 von der Kunstgiesserei St.Gallen aus klassischer Bronze neu gegossen.

www.kunstgiesserei.ch/kuenstlerwerke/august-boesch/broderbrunnen/


Anlässlich seiner Ausstellung «Zum Brunnen» im Kunstmuseum St.Gallen stiess Simon Starling auf die originalen Brunnenfiguren von August Bösch, welche bis dahin im Völkerkundemuseum St.Gallen eingelagert. Die drei Tierskulpturen – je ein Mädchen, das auf einem Schwan, einem Fisch und einer Schildkröte reitet – waren 2016 in Starlings Kunstmuseum-Ausstellung im Dialog mit seinen Arbeiten zu sehen.

Für das Kunst-am-Naturmuseum-Projekt sollen die Skulpturen dauerhaft der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. In einer Vitrine steht jeder Figur ihr Spiegelbild in einer anderen Materialität gegenüber, wobei die sich in dem Glaskasten bildende Feuchtigkeit von dem jeweiligen Zwilling absorbiert wird. Bis jetzt realisiert wurde die Schildkröten-Reiterin, welche seit Januar 2017 mit ihrem Spiegelbild in PMMA vor dem Museumsneubau installiert ist.

Für die Realisierung wurden die Original-Galvanoskulpturen in die Kunstgiesserei St.Gallen gebracht und gescannt. Nach der digitalen Datenbearbeitung wurden 3D-Testdrucke erstellt, um die angestrebte Luftdurchlässigkeit zu testen.

Die Schildkröten-Skulptur wurde schliesslich in mehreren Teilen hohl mit dem 3D-Drucker in PMMA gedruckt. Vor der Zusammensetzung wurde der gesamte Innenraum mit Kieselgel (silica gel) aufgefüllt. Ein Granulat, das ein enormes Volumen an Feuchtigkeit aufnehmen kann, da es eine grosse innere Fläche besitzt.

Die gesamte Skulptur wurde auf einem vorgängig vor Ort gegossenen Betonsockel im Januar 2017 vor dem Naturmuseum St.Gallen installiert.