Werke

Restaurierung:
Vadian, 1904

Vadian lebte von 1484 bis 1551. Der Gelehrte, Humanist und Bürgermeister führte in St.Gallen die Reformation ein. Die Bronzestatue zu Ehren des «Stadtvaters» wurde im Jahr 1904 vom Bildhauer Richard Kissling geschaffen. Die ca. 2.5 Tonnen schwere und 3.90 Meter hohe Bronzeplastik verfügt zwar über ein stählernes Innengerüst, doch gab es offensichtlich von Anfang an Bedenken hinsichtlich der Standfestigkeit, da die Beine der Figur zusätzlich mit einem Material aufgefüllt wurden, das sich heute nicht mehr eindeutig nachvollziehen lässt. 1944 mussten Beine und Plinthe restauriert werden, da man die Standsicherheit als akut gefährdet betrachtete. Damals wurde das ursprüngliche Füllmaterial entfernt, Risse zugeschweisst, die stark verformte Plinthe gerichtet und nach unten in den Sockel verschraubt. Zur Stabilisierung füllt man die Figur bis zum Rock mit Zement auf. Die Zementfüllung brachte neue Probleme mit sich: Kondenswasser konnte nicht austreten. So sprengte das im Winter gefrorene Kondenswasser den Guss erneut im Bereich der Beine und der Plinthe. Ein Schadensbild,  das sich in den letzten Jahren sichtbar weiterentwickelte und die Standfestigkeit der Figur erneut in Frage stellte.

Um der Vadian-Plastik sowohl die notwendige Stabilität zu verleihen, als auch eine ständige Durchlüftung des Inneren zu ermöglichen, wurde ein eigenständiges Restaurierungsverfahren entwickelt. Ziel war es dabei auch, das zwar unzureichende, aber denkmalpflegerisch wertvolle Innenleben zu bewahren und damit  zahlreiche Zeitzeugnisse zu den Arbeitsweisen in den Jahren 1904 und 1944. Gemeinsam mit der Denkmalpflege der Stadt St.Gallen wurde entschieden, den Zement vollständig zu entfernen und die dünnwandigen Beine weitestgehend zu entlasten. Für die Planung wurde ein 3D-Modell des Vadians erstellt, um den Schwerpunkt zu ermitteln und die Modifikationen der Konstruktion zu testen. Knapp 400kg Zement wurden mit grossem Aufwand und entsprechender Vorsicht aus der Figur entfernt. Es wurde ein neu konzipiertes, inneres Chromstahlgerüst eingebaut, das die Beine weitgehend entlastet. Die ursprünglich geschlossene Fuge von ca. 15mm zwischen Sockel und Plinthe verbleibt offen und gewährleistet eine durchgängige Ventilation durch die gesamte Figur. Risse an den entlasteten Schwachstellen wurden nur leicht zugetrieben, um den Eingriff im Originalsubstanz auf ein Minimum zu begrenzen. Nur die grossen Rissbildungen an der Plinthe wurden durch Schweissungen repariert. Zudem wurde die Plastik gereinigt, die Patina aber erhalten.