Geboren 1972 in Van (Türkei), studierte an der Akademie der Bildenden Künste in München, lebt und arbeitet in Berlin. Die Künstlerin beschäftigt sich mit alltäglichen Formen, Klängen, Tätigkeiten, welche sie in ungewohnte Zusammenhänge und poetische Ausdrucksformen verwandelt.

Durch den Entzug von jeglicher Funktion der Alltagsobjekte abstrahiert sie diese auf kulturelle, politische und geschlechtsspezifische Codes und Werte, deren Wirkung sie oft im öffentlichen Raum austestet.

 

nevinaladag.com

Jali, 2017

Keramik glasiert
installiert ca. 250 × 1000 × 25 cm

Die Arbeit von Nevin Aladağ für die documenta 14 in Kassel basiert auf Erscheinungsformen von licht- und sichtdurchlässigen Wand- und Fensterelementen aus verschiedensten Kulturkreisen. Die Künstlerin greift dafür auf angetroffene Formen zurück, kombiniert sie mit Mustern aus unterschiedlichen historischen Stilen und abstrahiert dies schliesslich zu geometrischen Elementen.Diese gezeichneten Formen bildeten die Ausgangslage für deren Herstellung in Keramikziegel, welche zu einer Paravent-artigen Wand aufgetürmt werden. Für die Umsetzung dieses herausfordernde Projekts wurde in der Kunstgiesserei St.Gallen ein Keramikatelier eingerichtet, welches von einer schliessenden Urnenbrennerei im Kanton Zürich übernommen werden konnte.In einem ersten Schritt wurde für jede der neun sechseckigen Formen eine Metall-Matrize hergestellt, durch welche der rohe Ton durch eine Vakuumpresse gezwängt wurde. Die geformte «Tonwurst» wurde dabei mittels einer vorgefertigten sechseckigen Holzform stabilisiert. Mit einem Faden wurden die Ziegel in gewünschter Dicke abgeschnitten, aus der Form genommen und auf einer feuchtigkeitsabsorbierenden Oberfläche zum Antrocknen ausgelegt und erste Ausbesserungen manuell vorgenommen. Während 3 Tagen wurden die Ziegel bei 1200°C gebrannt. In einem nächsten Schritt wurden die zuvor mit der Künstlerin bestimmten Glasurtöne aufgetragen und schliesslich im Ofen eingebrannt.

Die installierte Arbeit Jali ist von Juni bis September 2017 im Hessischen Landesmuseum im Rahmen der documenta 14 in Kassel zu sehen.