geboren 1957 in Taegu, Südkorea, lebt in New York und Seoul

Kimsooja verbindet in ihrem Schaffen Performances, Video, Fotografie und Installation, sie widmet sich Fragen der physischen wie mentalen Verortung und Dislokation. In ihren Arbeiten verwischt sie die Grenzen von ästhetischen und metaphysischen Erfahrungen durch repetitive, meditative Handlungen und das Verwenden von seriellen Formen. Dabei sind ihre Werke stark geprägt von der koreanischen Kultur, insbesondere des Nähens. Eine ihrer wichtigsten Werkserien sind die «Botari» (übersetzt aus dem Koreanischen «Bündel»), Stofftücher für das Zusammenbinden und Transportieren persönlicher Gegenstände – ein essenzielles Objekt für das nomadische Leben, dessen Form und Bedeutung von der Künstlerin auf unzähligen Ebenen reflektiert wird.

kimsooja.com

Deductive Object, 2016

Chromstahl getrieben, bemalt, 2.45 × 1.50 m,
verspiegelte Aluminiumplatten: 10 × 10 m

Bilder: Installation at Kimsooja Archive of Mind at MMCA, Seoul, Photo by Aaron Wax, Courtesy of MMCA and Hyundai Motor Co., Kukje Gallery, Seoul, and Kimsooja Studio

 

Das ambitionierte Projekt einer eiförmigen bemalten Skulptur von Kimsooja wurde vollumfänglich in Handarbeit in Shanghai hergestellt. Zusammen mit der Künstlerin wurde in der Kunstgiesserei St.Gallen Sculpture Production (Shanghai) mittels eines kleinen Modells sowie Stoffmustern die Umsetzung erarbeitet. Die eiförmige Form – inspiriert von heiligen indischen Brahmanda-Steinen, auch bekannt als Weltenei – sollte mit dem Streifenmuster einer traditionellen koreanischen Bekleidung (saekdongot) bemalt werden.

Dank der gleichmässigen Geometrie konnten die CAD-Daten direkt digital erstellt werden und an unsere Partner-Treiberei in Shanghai weitergegeben werden. Anhand eines 1:1-Models aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK) wurden die Einzelteile von Hand in Chromstahl getrieben. Danach mit einer Innenkonstruktion versehen und an diese verschweisst. Die Schweissnähte wurden entfernen und die Oberflächen fein geschliffen. Die Spuren, welche die manuelle Machart mit sich bringt, wurden in aufwendiger Arbeit perfektioniert. Die makellose geometrische Form mit glatter, gleichmässiger Oberfläche wurde in minutiöser, wochenlanger Feinarbeit durch mehrfaches Ausbessern mittels Spachteln und Verschleifen erreicht.

Als weitere Herausforderung stellte sich die Findung des präzisen Farbtons aus dem traditionellen obangsaek-Farbspekturm heraus. Mithilfe von optischen Messgeräten und computergesteuerten Mischsystemen wurden in engem Austausch mit der Künstlerin die Farben getestet. Da jede Farbe stark von der Oberfläche des Trägers abhängt, war die Schwierigkeit insbesondere der Abgleich von den Farbeffekte auf der Stoffvorlage mit den auf Metall erreichbaren Effekten. Ausserdem wurden die Farbstreifen im Zuge des Produktionsprozesses immer dünner, da sie einer bestimmten Anzahl von Wiederholungen folgen mussten. Die Skulptur wurde schliesslich in einer speziell angefertigtem Drehvorrichtung mit Spritzpistolen und durch ein äussert aufwendiges Abkleben der dünn zulaufenden Streifen lackiert.

Deductive Object war zum ersten Mal anlässlich der Einzelausstellung «Kimsooja – Archive of Mind» im National Museum of Modern and Contemporary Art, Seoul, Korea, von Juli 2016 bis Februar 2017 ausgestellt. Danach war es auf der Art Basel Hong Kong 2017 zu sehen.