Alexej Koschkarow wurde 1972 in Minsk (Weissrussland) geboren und studierte an der Kunstakademie in Minsk sowie Düsseldorf. Heute lebt und arbeitet er in Berlin. In seinen künstlerischen Arbeiten gilt sein Interesse den Möglichkeiten der Suggestion, Verführung und Illusion. Seine Werke verbinden historisches Material mit Motiven der Gegenwart, sie sollen gleichzeitig faszinieren und irritieren.

Kalter Ofen, 2016

Keramik glasiert, ca. 200 × 200 × 250 cm

Die Installation Kalter Ofen ist ein freistehender Kachelofen in Form einer explodierenden Handgranate, aus Kachel-, Strahlen-, Bolzen- und Flammenmotiven mit einem suggerierten Feuer im Innern. Der Künstler war während der Projektphase mehrmals im St.Galler Atelier, um gemeinsam mit den Mitarbeitenden der Kunstgiesserei am Kunstwerk zu arbeiten. Die Grundlage bildete ein mit dem Künstler gefertigtes Modell aus Holz und Gips, was einem «Schnitz» von einem Siebtel des gesamten Ofens entsprach. Nach mehrmaliger Überarbeitung wurden in einem nächsten Schritt Gipsformen für die über 100 Einzelteile hergestellt, die daraus geformten Keramikteile gebrannt und der weisse Glasurbrand vorgenommen. Mithilfe von Keramikspezialisten lernte sich die Kunstgiesserei die Technik an und richtete eine eigenen Keramikwerkstatt ein. Schliesslich wurde eine Stahlkonstruktion berechnet und gebaut, auf welche die Einzelteile montiert werden konnten, zuletzt wurden die einzelnen Kacheln verfugt. Zeitgleich wurde die Ofentür aus Bronze gegossen und innen schwarz patiniert, die Aussenseite der Ofentür erhielt einen Emaille-Anstrich. Das «Innenleben» des kalten Ofens bildet eine gefundene Blechbüchse des Künstlers, welche von der Kunstgiesserei mit einem Motor und Beleuchtungssystem versehen wurde. Der Motor lässt die Blechbüchse um sich selbst rotieren, die Rotation erzeugt mithilfe des Lichts die Illusion eines «kalten Feuers». In Bronze gegossene, schwarz patinierte Glutäste sowie ein in die Decke führendes Ofenrohr ergänzen diese Illusion. Kalter Ofen war von Juni bis Oktober 2016 im Rahmen der Ausstellung Zita – Щapa, ein Gemeinschaftsprojekt von Alexej Koschkarow und Katharina Fritsch, im Schaulager in Münchenstein ausgestellt.