• Heawood Theorem, 2005

Geboren 1949 in Saint-Mandé (F), lebt in Paris

© Parkett

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Percy John Heawood Theorem, 2005, Polyurethan, 28 x 16 x 4.8 cm

Bernard Frize untersucht in seinen Bildern die Bestandteile von Malerei. In einer Versuchsanordnung, die eine Reihe streng geplanter Eingriffe und Zufallsfaktoren choreografiert, entstehen Gemälde, die zugleich programmatisch-entpersönlicht und tänzerisch-spontan wirken und dabei nichts von ihrem Entstehungsprozess verraten.

Für seine «Parkett-Edition» (Heft 74, 2005) verkleinerte Frize sein Werk «Heawood» (1999) von 130 auf ein handliches Format von 24 Zentimetern Länge. Die Arbeit «Percy John Heawood Theorem» ist ein Doppeltorus, auf dessen Oberfläche acht Farben einander jeweils einmal berühren.

Der englische Mathematiker Percy John Heawood (1861–1955) entwickelte 1890 eine folgenreiche Theorie: Es reichen vier Farben, damit beliebig aneinandergrenzende Felder auf einer Fläche nie die gleiche Farbe haben. Diese Annahme stammt aus der Kartografie; Heawood entwickelte sie für dreidimensionale Körper weiter. Er stellte fest, dass nicht mehr als acht Farben auf einem Doppeltorus so angeordnet werden können, dass jede die übrigen einmal berührt. Seit den 60er Jahren suchten Mathematiker den Vier-Farben-Satz per Computer zu beweisen; 2004 gelang es. Es war das erste grosse mathematische Problem, das mit Computern gelöst wurde.

Die Vorlage des Modells für die «Parkett-Edition» wurde in Zusammenarbeit mit Urs P. Roth digital konstruiert. Aus dem Datensatz wurde eine Stereolithografie erstellt, diese von Hand überarbeitet und davon ein Silikon-Negativ gefertigt. Die Heawood-Tori wurden dann in einem harten Polyurethan-Harz gegossen.

Eine feine Rille bezeichnet die Abgrenzungen der Farbflächen. Das präzise Aufbringen der Farbe erwies sich als aufwändige Prozedur. Eine Grundierung wurde zunächst fein geschliffen, wodurch der Untergrund wieder hervorschien. Beim anschliessenden Spritzen musste jede der acht Farben einzeln aufgebracht und dabei die übrigen abgedeckt werden. Die Hälfte der Güsse färbte die Firma Color Konzept in Arbon; Pascal Thalmann aus Zürich übernahm die andere Häfte.

Die «Parkett-Edition» hat ein Auflage von 70 Stück; 25 sind römisch und 45 arabisch nummeriert.

«The recipe: eight colors, seven borders, and chance under control; for once, salvation is immanent.» (Parkett)

 

bernardfrize.com

Literatur in der Kunstbibliothek Sitterwerk